Im Gespräch mit Ihnen
Neustart der Freien Wähler

21.07.2015 Von Robin Kunze Die Freien Wähler rüsten sich für die Kommunalwahl im nächsten Jahr. Und wollen dort "nicht nur mit zwei oder drei" Leuten ins Parlament einziehen.

Kelkheim.
Mit wachsamen Augen sondiert Ivaloo Schölzel das muntere Treiben auf dem Marktplatz. Nimmt einer der vorbei spazierenden Passanten Augenkontakt auf, verringert die Vorsitzende der Freien Wähler (FW) mit zwei schnellen Schritten die Distanz und hat dabei bereits das Gespräch eingeleitet. "Möchten Sie uns vielleicht gerade ein paar Fragen zur Situation in Kelkheim beantworten?", sagt sie und hat dabei den mit vier prägnanten Fragen bewusst kurz gehaltenen Bogen bereits parat. Neue ehrenamtliche Mitarbeiter werden derzeit gezielt gesucht. Wobei das so nicht ganz stimmt.
"Statt Mitarbeiter sagen wir bewusst Mitstreiter", erklärt FW-Mitglied Michael Kuschka. Und von diesen Mitstreitern möchte der Verein möglichst viele ins Boot holen, indem er gleich die Möglichkeit zum Gestalten signalisiert. "Es geht uns weniger darum, ein politisches Programm festzulegen und dann zu sagen, dass wir davon keinen Deut abweichen", betont Kuschka. Der Kelkheimer soll seine Wünsche für Kelkheim äußern und dann am besten gleich mit anpacken, um diese in die Tat umzusetzen. Darüber, wie diese Wünsche aussehen, gibt der Fragebogen Aufschluss. "Ich wünsche mir keine unnötigen Investitionen in Prestigeprojekte", steht auf einem zufällig ausgewählten Zettel.
Ein Anliegen, das bei Schölzel und Kuschka offene Türen einrennt. "Da muss man sich stellvertretend nur den angedachten Umbau beziehungsweise die Verlagerung des Museums an den Mühlgrund anschauen", holt Kuschka aus. Rund 600 000 Euro würde die Sanierung kosten. "Und das nur für den Anfang", erklärt Kuschka weiter, "die Kosten für den Unterhalt sind da nicht einmal mit drin". Seiner Ansicht nach würde mancher das Geld bei Jugend und Bildung, etwa bei außerschulischer Betreuung, besser aufgehoben sehen.
Eine andere Frage beschäftigt sich mit dem neuen Bürgermeister und der Erwartungshaltung. Kuschka selbst sieht die Wahl Albrecht Kündigers (UKW) als deutliches Zeichen der Wähler. "Trotz der eher geringen Wahlbeteiligung ist die Wahl ja repräsentativ", erklärt er, "die CDU hat, was sich viele im Vorfeld nicht vorgestellt hätten, ihr Monopol eingebüßt". Auch im Umfeld bei den Wahlen der jüngeren Vergangenheit würde sich abzeichnen, dass viele etablierte Parteien ins Hintertreffen geraten. Dies biete Möglichkeiten für neue Kräfte. Auch für die Freien Wähler, die laut Kuschka wieder ins Parlament wollen, und dies "nicht nur mit zwei oder drei Mitstreitern".
In drei Wochen haben sich bereits fünf Interessenten für das Mitwirken gefunden. Doch diese erste Annäherung sei mit Vorsicht zu genießen. "Zwischen Interesse und einer festen Zusage besteht ein Unterschied", weiß Kuschka, "und es ist uns natürlich auch klar, dass beim Ehrenamt viele zunächst zögern". Dennoch müsse man ein Zeichen setzen, nach dem Motto "Uns gibt es noch!". Denn von alleine, betont Kuschka, kämen die potenziellen Mitstreiter nicht auf die Freien Wähler zu.

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